Ich studiere aktuell in Bayreuth, einem gottverlassenen Städtchen irgendwo in Bayern. Und weil Bayreuth so abgeschottet vom Rest der Welt liegt, wurde hier erst vor kurzem das Rad erfunden, weshalb die Nahverkehrsanbindung etwas dürftig ausfällt. Oder um es mit anderen Worten zu sagen, ab 8 Uhr komme ich nicht mehr mit dem Bus nach Hause und muss somit oft in ein Taxi steigen.

Hier eine kleine Auswahl meiner Lieblingstaxifahrer:

Der Universalgelehrte

Der Universalgelehrte hat die Antworten auf die ganz großen Fragen der Menschheit parat und er ist sich nicht zu schade diese seinen Fahrgästen mitzuteilen. Ob diese wollen oder nicht. Seine Weisheiten hat er meist aus n24 Dokumentationen über Einstein, Hitler oder Ufos. Durch seinen ausgeprägten Scharfsinn ist er in der Lage diese Themengebiete miteinander zu verknüpfen und daraus Erkenntnisse zum Klimawandel abzuleiten. Seine Vorträge beginnen meist mit der Frage Wollen Sie etwas über Schwarze Löcher erfahren? Ist die Antwort ja beginnt die Exkursion, ist die Antwort nein kostet die Fahrt 10 Euro mehr und man wird mit den Worten Typisch Student, ein Jahr Jura und schon denken man versteht die Welt verabschiedet.

Der 100 Jährige

Der 100 Jährige ist nicht mehr bei einem Taxiunternehmen gemeldet weil alle denken, dass er schon lange tot ist. Stimmt aber nicht, der 100 Jährige sitzt nämlich seit der Erfindung des Buchdrucks im selben Taxi, was erstaunlich ist, da es zu dieser Zeit noch gar keine Autos gab.
Verständlicherweise hat der 100 Jährige die ein oder andere technische Entwicklung verpasst, weshalb er auf ein Navigationsgerät verzichtet und sich stattdessen am Polarstern orientiert.

Der Stille

Der Stille redet nicht. Nie. Auch nicht wenn man ihn fragt wie das Wetter morgen sein wird, was bei Taxifahrern normalerweise immer gut ankommt. Der Stille kommuniziert lieber über Blicke, manchmal sogar per Funkgerät mit der Zentrale. Eine hochgezogene Augenbraun bedeutet Taxi belegt, zwei hochgezogene bedeuten In 30 Minuten bin ich in der Maximilianstraße, steh leider gerade im Stau. Ich liebe den Stillen, in seinem Taxi kann man wunderbar Referate üben.

Die Labertasche

Die Labertasche hat ein herausragendes erzählerisches Talent und liebt es sehr, sehr, sehr, sehr lange Sätze zu bilden. Manche Sätze gehen sogar über mehrere Fahrten, was es den verschiedenen Fahrgästen relativ schwer macht den Kontext zu verstehen. Ein regelmäßig eingestreutes MhmhmAch was?, Ist ja interessant genügt allerdings um die Labertasche zufrieden zu stellen.
Die Labertasche hat meistens eine klassische Taxifahrerausbildung absolviert, also Medienwissenschaften studiert.

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